Ein gutes Gefühl. Ungefähr 40 Menschen (in der Mehrzahl Frauen) stehen auf dem Podium und es ist sonnenklar: sie alle engagieren sich dafür, dass auch Alleinerziehende Beruf und Familie vereinbaren können. Ein großes Potenzial, das sich auf der Auftaktveranstaltung „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ in Berlin vor circa 200 interessierten ZuhörerInnen präsentierte.
Diese bundesweite Maßnahme des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales fördert Projekte, die zur Aktivierung, Integration in Erwerbstätigkeit oder sozialen und beschäftigungsbezogenen Stabilisierung von Alleinerziehenden beitragen, die zu Beginn des Projektes Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) beziehen.
Von 79 Projekten, die in den kommenden drei Jahren bundesweit arbeiten werden, sind sechs in Berlin lokalisiert. Sie sind in verschiedenen Bezirken aktiv, haben bereits ein Netzwerk gegründet, gestalteten diese Veranstaltung gemeinsam und werden auch in den kommenden drei Jahren eng zusammenarbeiten.
Junge Mütter auf dem Weg – Spandau – Jugendhilfe Spandau / Berufliche Förderung
log in – Beratungs- und Fördernetz für Alleinerziehende – Pankow – eine Kooperation von casablanca und Zukunftsbau GmbH
Ania – Alleinerziehende nachhaltig in Arbeit bringen – Lichtenberg – Unique GmbH
ALFA-Netpoint – Arbeit Leben Familie Alleinerziehend – Charlottenburg_Wilmersdorf / Tempelhof_Schöneberg / Südwesten Berlin – ALFA Netpoint
Doch zurück zur Veranstaltung. Bezirksstadträtin und Schirmherrin Angelika Schöttler begrüßte alle im Willy-Brandt-Saal des Schöneberger Rathauses und bezeichnete die Wahl dieses geschichtsträchtigen Ortes, von dem aus jahrzehntelang die Geschicke West Berlins gelenkt wurden, als gutes Omen.
Das können die Projekte gewiss brauchen, denn das Thema „Alleinerziehende“ hat in Berlin besondere Bedeutung. Während sich im Bundesgebiet in 18 % der Familien nur ein Elternteil um die Familienbelange kümmert, ist dies in Berlin bei 36% der Familien der Fall. Die überwiegende Mehrheit der Alleinerziehenden sind Mütter.
Das heißt, dass Alleinerziehende keine Randgruppe der Bevölkerung sind, sondern sich hier eine dauerhafte Entwicklung abzeichnet. Alleinerziehende zeigen inzwischen den sozialen Durchschnitt der Bevölkerung. Darauf verwies Helga Hentschel von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen ebenso wie auf die Tatsache, dass mit Anke Domscheit gerade eine alleinerziehende Mutter den Berliner Frauenpreis für ihren langjährigen professionellen, politischen und journalistischen Einsatz für die Vernetzung von Frauen und die Förderung von Gleichstellung in der Wirtschaft erhalten hat.
Interessant auch der Ansatzpunkt von Dr. Marianne Vollmer. Sie betonte in ihrem Vortrag, dass Fähigkeiten von Hausfrauen und ManagerInnen sich in einigen Punkten sehr ähneln. Sie ist überzeugt, dass Alleinerziehende schon viel viel gewonnen haben, wenn sie ihre eigenen Familienkompetenzen analysieren. „Sie müssen sich bewusst sein, was sie privat leisten,“ betonte Frau Vollmer mehrmals. Denn sie ist überzeugt, dass sich diese Familienkompetenzen zum Vorteil aller auf die Arbeitswelt übertragen lassen.
Aus all dem ist zu schließen, dass die Angebote für die Alleinerziehenden in Berlin so unterschiedlich sein müssen, wie die Bedarfe der Frauen aus den unterschiedlichen sozialen Schichten und Bildungshintergründen. Deshalb erstrecken sich die Angebote der sechs Träger in Berlin von der einmaligen Beratung bis hin zu einer dreijährigen Begleitung während einer Ausbildung. Weiterhin wird es in den nächsten drei Jahren darum gehen, die tatsächliche Nachfrage zu ermitteln und noch bestehende Angebotslücken zu schließen.


Hallo
Ich bin alleinerziehender Vater und auch hier muss ich lesen: “Starke Mütter in Berlin Mitte” oder “Mütter an den Start” oder “Junge Mütter auf dem Weg”.
Auch wenn manche Sagen “hey, seh das doch nicht so eng” oder “die meisten alleinerziehenden sind doch Mütter”, fühle ich und sicher auch viele andere Väter sich herabgesetzt. Uns gibt es nicht oder wir müssen uns abfinden damit, uns auch als Mütter zu sehen. Alleinerziende Väter werden aus diesen Gründen auch wirklich in manchen Dingen fühlbar benachteiligt gegenüber Müttern. Beispiele kann ich einige liefern, falls diese Interessieren.